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Dr.med Peter Siegmund

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Kurzsichtigkeit

 

Allgemeines

Bei der Kurzsichtigkeit ist das Auge von der Hornhaut bis zur Netzhaut (=Augenachsenlänge) im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu lang, so dass der Brennpunkt parallel einfallender Lichtstrahlen vor der Netzhaut liegt. Nur die Strahlen von nahe gelegenen Objekten werden auf der Netzhaut vereinigt. Der Fernpunkt des kurzsichtigen Auges liegt nicht im Unendlichen wie bei einem Normalsichtigen, sondern nahe am Auge, bei einer Myopie von -2,0 Dioptrien z.B. in 50 cm Abstand, bei einer Myopie von -10,0 Dioptrien in 10 cm. Gegenstände in der Ferne werden also auf der Netzhaut eines Kurzsichtigen unscharf abgebildet, es entstehen dabei so genannte Zerstreuungskreise. Durch starkes Zusammenkneifen der Lider und Blinzeln können diese Zerstreuungsphänomene verringert und damit die Bildschärfe verbessert werden. Häufig kann man ein solches Blinzeln bei Kurzsichtigen beobachten. Daher leitet sich auch der Begriff "Myopie" ab. Der Begriff "Myops" kommt aus dem Griechischen und heißt "Blinzelgesicht".

Normal geformter Augapfel
Verlängerter Augapfel

 

Symptome

Kurzsichtige sehen ohne Korrektur in der Nähe ausgezeichnet - sofern nicht zusätzlich Veränderungen an der Makula vorliegen - in der Ferne hingegen schlecht. Eine beginnende Kurzsichtigkeit kann vor allem durch schlechtes Sehen in der Ferne bei Nacht, z.B. beim Autofahren auffallen.

Da bei der Achsenmyopie zwar das Auge in seiner Länge übermäßig wächst, der Glaskörper im Auge jedoch nicht mitwachsen kann, ist es möglich, dass sich der Glaskörper verflüssigt und von der Netzhaut ablöst. Der Patient nimmt dann diese störenden, aber harmlosen Glaskörperveränderungen eventuell als "fliegende Mücken" wahr.

Wenn die Kurzsichtigkeit sehr stark ausgeprägt ist, kann es zu Verdünnungen und Veränderungen an der Netzhaut und im Bereich der Makula kommen. In einem solchen Fall ist die Sehschärfe auch mit bester Korrektur deutlich herabgesetzt.

Diagnose

Sie wird durch die typischen Beschwerden beim Sehen in der Ferne und durch die Brechkraftbestimmung des Auges durch den Augenarzt gestellt.

 

Therapie

Die Therapie der Wahl ist der Ausgleich der Kurzsichtigkeit durch Brillengläser mit Zerstreuungslinsen, also einer negativen Brechkraft. Bei sehr starken Brillengläsern zur Kurzsichtigkeitskorrektur kommt es auf der Netzhaut zu einer Bildverkleinerung.

Alternativ kommen Kontaktlinsen in Frage. Prinzipiell stehen harte und weiche Kontaktlinsen zur Verfügung. Harte Kontaktlinsen sind für das Auge besser, obwohl sie einer längeren Eingewöhnungszeit bedürfen und zunächst Fremdkörpergefühl verursachen können.

Ein "Sehtraining" als Therapie ist nicht erfolgversprechend und ist daher nicht zu empfehlen.

Zunehmend verbreitet sind Kurzsichtigkeitsbehandlungen mit dem Laser oder durch andere Operationen. Näheres dazu wird im Kapitel über Lasik erklärt.

Prognose

Bei den meisten Kurzsichtigen schreitet die Erkrankung jenseits des 30. Lebensjahres nicht mehr oder nur noch sehr langsam fort. Bei sehr starken Kurzsichtigkeiten allerdings kann es zu schnellem und kontinuierlichem Fortschreiten, auch in späteren Lebensjahren kommen. Wenn sich bei sehr hoher Kurzsichtigkeit auch Veränderungen im Bereich der Makula zeigen, kommt es zu einer Verminderung der Sehschärfe, die fortschreitend sein kann.

Generell gilt für Kurzsichtige ein höheres Risiko für eine Netzhautablösung, die mit guter Prognose operiert werden kann, wenn sie früh genug entdeckt wird.

Äußerstes Alarmzeichen sind Gesichtsfeldeinschränkungen z.B. im Sinne einer aufsteigenden Mauer oder eines Vorhangs. Oft sind Ausdünnungen und Löcher in der Netzhaut Auslöser einer Netzhautablösung. In diesem Stadium ist manchmal noch eine Behandlung mit dem Laser ausreichend, so dass auch dabei auf erste Anzeichen geachtet werden sollte: z.B. Blitzen oder "Rußregen" im Auge.

Achtung: Kurzsichtige sollten regelmäßig vom Augenarzt die Netzhaut kontrollieren lassen.

Prophylaxe

Eine bewiesene Prophylaxe der Kurzsichtigkeit existiert nicht. Wenn man aber von den Ergebnissen der jüngsten Fallstudie , die jedoch im wesentlichen an Tieren durchgeführt wurden, ausgeht, sollte vor allem in jungen Jahren darauf geachtet werden, dass die Abbildungsqualität auf der Netzhaut möglichst optimal ist. Dies ist z.B. durch eine gute Beleuchtung beim Lesen oder Arbeiten erreichbar. In der alten Weisheit, dass das Lesen unter der Bettdecke den Augen schade, steckt anscheinend doch ein Stück Wahrheit.